Tierpark Zittau
Beim plötzlichen Hochwasser im Dreiländereck am 7./8. August 2010 wurde auch unser Tierpark sehr stark betroffen. Innerhalb weniger Minuten stieg das Wasser um über 1,5 m. Zuletzt stand das Wasser sogar ca. 2,5m hoch! Trotz großem Einsatz aller Helfer konnten leider nicht alle Tiere gerettet werden. Die Sachschäden sind noch gar nicht zu überblicken.
„Das Schlimmste ist, dass sie alle Namen hatten“, sagt der Geschäftsführer des Tierparks in Zittau, Bernd Großer. Amadeus war so etwas wie der Chef der Lama-Herde. Auch sein Artgenosse Carlos ertrank im Hochwasser der Neiße. Mehr als 30 Bewohner hat der Tierpark im Dreiländereck von Sachsen, Tschechien und Polen am Wochenende verloren. Ohnmächtig mussten die Mitarbeiter mit anschauen, wie das Wasser in den Anlagen binnen kurzer Zeit auf 2,50 Meter stieg. Beginnende Dunkelheit erschwerte die Rettungsaktion. „Wir haben noch Tiere aus den besonders gefährdeten Bereichen retten können. Aber nicht alle“, sagt Großer. Noch heute seien die Mitarbeiter mit den Nerven fertig. „Tagsüber funktionieren sie. Aber am Abend setzt bei manchen Apathie ein, andere haben Schüttelfrost und Schweißausbrüche.“ Es gebe die ganze Palette an Gefühlsausbrüchen, auch Freude, dass viele Menschen und Zoos aus ganz Deutschland ihre Hilfe angeboten haben. „Man ist traurig und freut sich zugleich über kleine Erfolge - wenn ein Tier gerettet wurde“, erzählt der Technische Leiter, Andreas Stegemann. Für Stegemann war der Sonntag der furchtbarste Tag. „Wir wussten, dass wir manche Tiere nur noch tot sehen würden.“ Großer erinnert sich an die Kronenkraniche, die scheinbar bewegungsunfähig im Wasser standen. Kamel Mustafa ließ sich nur mit großer Mühe aus dem Wasser ziehen und wollte sich immer wieder hinsetzen. „Viele Tiere waren in Panik, auch durch die umgestürzten Bäume“, sagt Großer. Von elf Lamas blieb nur eins übrig. Auch Pferde, Schweine, Vögel und das Gürteltier wurden ein Opfer der Fluten. Die Lamas und Huzulenpferde dienten in Zittau auch zu therapeutischen Zwecken für behinderte Menschen. Noch am Dienstag war das ganze Ausmaß unbekannt. Die Anlagen standen teilweise noch 1,50 Meter unter Wasser. Die Hilfsbereitschaft von Kollegen hat die Zittauer überwältigt. Der Zoo in Görlitz nahm Tiere auf und lieferte Futter. An diesem Wochenende kommt ein Kollege aus dem Allwetterzoo Münster mit Technik nach Zittau. Die Deutsche Tierparkgesellschaft bot Soforthilfe an. Mehrere Zoos wollen den Ostsachsen Tiere spenden, Tierpfleger boten ihre Hilfe an. Auch aus der Bevölkerung kam Zuspruch: „Das Herzblut, dass wir in unseren Tierpark investierten, bekommen wir nun zurück“, meint Stegemann.
Weinau e.V.
